Covergestaltung

Grundsätzliches

Wer ein Cover gestalten möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, welche Aufgaben das Cover erfüllen muss. Eigene Geschmacksvorlieben sind dabei zweitrangig, vielmehr geht es um die Aufmerksamkeit potentieller Leser.
Das Cover entscheidet darüber, ob das Buch in die Hand genommen wird oder nicht. Im Internet muss es auch noch in Briefmarkengröße erkennbar sein und neben vielen anderen auffallen.  Bei näherem Hinsehen sollte es neugierig machen und idealerweise Gefühle wecken.
Außerdem muss ein Cover möglichst auf den ersten Blick die Art des Buches vermitteln: Genre, Thema, Zielgruppe …
Falls ein Cover auch noch „schön“, oder gar originell ist – um so besser, doch das wären nur Zusätze, die anderen Kriterien sind wesentlich wichtiger.

Die folgenden Überlegungen stellt man natürlich nicht nur für Kinderbücher an. Das Abwägen der Zielgruppe und eine Checkliste, was das Cover vermitteln soll, ist bei jedem Genre sinnvoll. Die Entwürfe hier sind beispielhaft zu sehen, sie zeigen einen Bruchteil von grafischen Möglichkeiten, aber dieser Bruchteil ist relativ klar ersichtlich.

Verlagslinie

Manche Verlage nutzen auf all ihren Produktionen wiederkehrende Gestaltungsmerkmale. Auf unseren Büchern soll ein zarter, grauer Rahmen das Titelbild einfassen. Das Logo kann dann auf verschiedenen Rahmenseiten stehen.

Das erste Cover

Zielgruppe
Unser erstes Buch ist für Kinder ab ca. vier Jahren gedacht. Meistens suchen nicht die Kinder ihre Bücher aus, sondern Eltern oder andere nahestehende Erwachsene. Ein Kinderbuchcover muss also Erwachsene davon überzeugen, dass dieses Buch ihren Kindern gefallen könnte. Bei der Auswahl greifen Erwachsene gerne auf eigene Kindheitserfahrungen zurück. Leider reicht es nicht, nur diese Assoziationen zu wecken, denn das erworbene Wissen, z. B. um Pädagogik, Seriosität, Kunst, Unterhaltung u.s.w., spielt mehr oder weniger bewusst in die Auswahl mit hinein.

Überlegungen vor der Gestaltung:
Vorlesebuch mit vielen Bildern für kleinere Kinder,
die Titelillustration soll auch stark verkleinert erkennbar sein,
die Geschichte enthält sowohl lustige als auch nachdenkliche Szenen,
Gefühle weckt hoffentlich bereits die Darstellung der Hauptfigur mit 70% Niedlichkeitsfaktor

Vier Entwürfe stehen jetzt zur Auswahl.
Bei den drei ersten Entwürfen ist die Hauptfigur unten links platziert. Das angehobene Bein signalisiert eine Bewegung nach rechts. Die Figur startet ins Leben und lädt dazu ein, sie zu begleiten. Bei spiegelverkehrter Gestaltung hätte man den Eindruck, die Figur käme von einem Weg zurück.
Die kleine Figur rechts oben fungiert als gestalterisches Gegengewicht, als Vollendung der aufsteigenden Diagonale und inhaltlich als Ausblick.

Entwurf 1
Blau wird von vielen Westeuropäern als Lieblingsfarbe genannt. Ist die Wirkung von Blaugrau Ton in Ton für ein Kinderbuch vielleicht zu trist? Der Fuß steht frei, was einen starken Impuls zum Losgehen vermittelt, während der Blick des Kükens nach oben gerichtet ist. Was fühlen Eltern dabei?

Die Schrift „Constantia“ hat einen schönen f-Bogen, der den i-Punkt integriert. Leseanfänger könnten bei dem Wort „fiel“ den i-Punkt vermissen. Vierjährige lesen meistens aber noch nicht selbst.

 

 

Entwurf 2
farblich wärmer durch das Stroh und den orange-braunen Untertext. Die „kindgerechten“ Grundfarben Blau, Gelb und Rot sind enthalten. Das Küken startet, tappt aber ins Weiche, dadurch ist die Assoziation zu „Hans guck in die Luft“ abgemildert.
Die Gestaltung wirkt ausgewogen (starkes Element auf der leichten Seite links / leichtes Element auf der schweren Seite rechts).

Schrift ebenfalls „Constantia“ etwas kleiner aber dafür fett.

 

 

Entwurf 3
Less is more? Fast wie Entwurf 2.
In Briefmarkengröße ist dieses Cover eventuell besser zu erfassen, denn der Adler rechts oben könnte in Minidarstellung nur noch als undefinierbare Schmutzecke erscheinen. Aber ein Gegenpol fehlt, dadurch reicht die Diagonale (Rücken/Blick/Schnabel)  nur noch bis zum Titel. Der obere Bereich ist nicht einbezogen, in diesem Fall erzeugt die Leere keine Spannung.

Schrift „Garamont“.  f-Bogen und i-Punkt sind zwar separat abgebildet, liegen aber unschön nahe beieinander.

 

 

Entwurf 4
Bricht Sehgewohnheiten, behauptet originell zu sein. Die Anordnung lässt Hintersinn oder Absurdes erwarten. Auf den ersten Blick wirkt das Cover, wie für Erwachsene gemacht. Die Frage ist, ob das Cover der Geschichte  gerecht wird. Stark verkleinert wird nicht mehr viel zu erkennen sein.

Schrift „Constantia“ mit relativ leichten Buchstaben, was zusätzlich einen intellektuellen Eindruck vermittelt.

 

Wir haben die Coverentwürfe verschiedenen Bekannten kommentarlos vorgelegt. Die Mehrheit tendierte spontan zu Cover zwei. Und das zumeist intuitiv aus guten Gründen. Ein professioneller Gestalter war auch dabei und kam analytisch zu dem selben Ergebnis.

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Comments

Covergestaltung — 2 Kommentare

  1. Danke Marlene,
    die allermeisten gefragten Personen sind genau deiner Meinung. Das zweite Cover hat gewonnen.
    Liebe Grüße
    Maren